Geschichte des Vereins


Die Geschichte der Schützenzunft Güstrow reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Dank der Nachforschung des Vorstandes in den 1920er Jahren konnte die Gründungsurkunde dank der Mithilfe der Stadt Güstrow und der Stadt Parchim im Parchimer Rathausarchiv sichergestellt werden. Die Originalgründungsprotokoll stammt aus dem Jahr 1441 und wurde vom damaligen Bürgermeister und Rat der Stadt Güstrow mit dem Gründungsdatum 11. Juni (Dreifaltigkeitstag) 1441 unterzeichnet. Somit kann die Schützenzunft mit Höhen und Tiefen der Zeitgeschichte auf ein über 580-jähriges Bestehen zurückblicken. Wer hätte das gedacht, als die „Schütten Broderschaft zu Güstrow“ mit einer festgelegten Mitgliederzahl von 60 Brüdern/Schützen entstand. 

Gegründet wurde die Schützenzunft zur Verteidigung und Sicherung der Stadt Güstrow sowie Haus und Hof der Einwohner vor Vandalen. Neben den Plünderungen setzten aber auch die großen Stadtbrände von 1503, 1508 und 1512 den Güstrowern zu. Dadurch hatte die Schützenzunft im 16. Jh. mit einem Rückgang der Mitgliederzahl zu kämpfen, auch war die Notwendigkeit einer „Bürgerwehr“ nicht mehr gegeben, da die Stadtsicherung durch den Burgvogt organisiert wurde. Erst 17. Jh. kehrte sich wieder das Blatt. Eine Mitgliedschaft in der Schützenzunft ging einher mit Anerkennung und Würde. So ist es nicht verwunderlich, dass sich im 18. Jh, eine zweite Schützenzunft durch Herzog Christian Ludwig genehmigt, gründete. Diese wurde dann aber 1835 mit der Schützenzunft von 1441 zusammengelegt. Das 1835 dazu verfasste Reglement von Großherzog Friedrich Franz ist noch immer Grundstein für die heutige Zunftordnung. Bis 1835 führt die Schützenzunft auf einem Gelände in der Hageböckerstraße und am Mühlentor ihre Schießübungen aus. Da dieses Gelände damals baulich erschlossen wurde, zog die Zunft 1836 auf das heutige Gelände, wo auch  vom 11.-12. Juli 1867 das ersten Landesschützenfestes in Güstrow ausgerichtet wurde. Um auch den Feldschützen gerecht zu werden, wurden 1893 die 300m langen Feldstände auf den Schwalbenbrink verlegt. 

So war die Anlage in Güstrow für die Schützen zweigeteilt und sie mussten dafür die Wegstrecke in Kauf nehmen. Dem Standort Güstrow tat das aber keinen Abbruch, so dass das 10. Landes- schützenfest 1889 und das 17. Landesschützenfest 1910 erneut hier ausgetragen wurde. Die Feste dauerten drei bis vier Tage und fanden großen Anklang in der Bevölkerung von Güstrow und dessen Umland. So konnte die Schützenzunft Güstrow ihren Brauchtum und die Tradition pflegen, bis der erste Weltkrieg ausbrach. Die Kriegsjahre brachten wieder Not und Verwüstung mit sich, so dass nach 1918 quasi nur noch die Häuser auf dem Vereinsgelände standen. Holz ist bekanntlich ein gutes Brennmaterial. In den 1920ger Jahren kam es zu Verhandlungen zwischen der Stadt Güstrow und der Zunft, so dass der damlige Vorstand für die Schützenzunft das Gelände (Länge 350m, Breite 65m) hinter dem bestehenden Vereinsareal käuflich erwerben konnte. Das Gelände wurde Anfang 1928 baulich erschlossen und eine 42 Stände umfassende Schießanlage errichtet, die am 16.09.1928 durch städtische Vertreter, dem Vorstand des Mecklenburgischen Schützenbundes und vieler Schützenzünfte eingeweiht wurde. Somit wurde der Schwalbenbrink abgestoßen und alle Vereinsmitglieder in allen Schützenklassen konnten auf einem Gelände trainieren.
Drei Jahre später – die Imprägnierung an der Holzverkleidung war quasi gerade getrocknet – fand trotz Rezession und Wirtschaftskrise 1931 wieder in Güstrow ein Landesschützenfest statt. In den 30ger Jahren des 20. Jahrhunderts war es für Schützenvereine nicht leicht, da es zu einer politisch veranlassten Neugliederung des Sports kommen sollte. Wobei „Neugliederung“ mit Auflösung gleichzusetzen war und 1939 politisch vollzogen wurde. Daher sind nach 1939 keine schriftlichen Überlieferungen bekannt. Eines ist jedoch bekannt; wieder wurde das Holz der Verkleidung der Schießstände als Brennmaterial genutzt. Nach dem Krieg 1945 wurde das Vereinshaus mit -gelände als Lazarett für Thyphuskranke genutzt.
In der ehemaligen DDR wurden Schützenzünfte und -vereine ausschließlich für den sportlichen Aspekt und dem Leistungssport vorgesehen. Ein persönlicher Waffenbesitz war verboten. Der Sport war damals großformatig in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) organisiert. Dennoch wurde unter den Schützen ein gesellschaftliches Beisammensein neben dem Sport gelebt. So wurde unter diesen Schützen am 31.03.1990 der Verein der Güstrower Schützenzunft 1441 e.V. neu gegründet. Das Areal war immer noch dasselbe wie 1928 – allerdings nur mit 36 statt 42 Ständen. Die Feldschützen waren nicht mehr im Verein vertreten, so dass das Areal auf die Länge der anderen 36 Stände zurückgebaut und dem benachbarten Reitverein übergeben wurde.
Auch fanden wieder – nach 62 jähriger Pause – Landesschützenfeste statt, die ersten allerdings nicht in Güstrow. Dafür feierte der Verein 1996 sein 555-jähriges Gründungsjubiläum mit einem großen Festumzug. Auch besuchten uns befreundete Schützenvereine.
Und dieses Jahr sind wir stolz darauf, das Landesschützenfest auszurichten und freuen uns auf viele Besucher und Teilnehmer.

2001 anlässlich des Schützenfestes hat der Verein und dessen Mitglieder die Auszeichnung „Sportplakette des Bundespräsidenten für die im langjährigen Wirken erworbenen besonderen Verdienste um die Pflege und Entwicklung des Sports“ erworben.
Aber auf diesen Lorbeeren hat sich der Verein nicht ausgeruht und am 24. Mai 2003 den
13. Landesschützentag in Güstrow ausgerichtet.

Neben dem Kugelsport hat sich unser Verein seit 2019 weiter orientiert und zum einen eine neue Sportgruppe, die Gruppe Bogensport gegründet. Im Sommer trainiert die Gruppe auf dem Vereinsgelände in dem Bereich der damaligen Stände 37 bis 42. Im Winter findes das Training in der Sporthalle des Brinkman-Gymnasiums statt.

Zum anderen baute der Kugelsport mit einer Anlage zum Luftdruckgewehrschießen sein Repertoire aus.

Heute ist der Verein auf das moderne Sportschießen ausgerichtet und pflegt weiterhin die Tradition und das Brauchtum. Wir wünschen daher allen Teilnehmern im Wettkampf „Gut Schuss“ und in der Freizeit schöne Stunden bei uns auf dem Vereinsgelände und in unserer Stadt Güstrow.